Pseudobranchus striatus (Nördlicher Zwergarmmolch)

Die Zwergarmmolche der Gattung Pseudobranchus sind die kleinsten Vertreter der Armmolche (Sirenidae).
Nach derzeitigem Stand gibt es zwei Arten mit jeweils mehreren Unterarten: den Nördlichen (P.
striatus) und Südlichen Zwergarmmolch (P. axanthus).

Allgemeines

Die Gattung Pseudobranchus lässt sich neben einiger anderer Merkmale vor allem durch die geringere Größe sowie die Anzahl ihrer Vorderzehen von der Gattung Siren unterscheiden.
Im Unterschied zu dieser besitzen die Zwergarmmolche drei und nicht vier Zehen. Hinterbeine fehlen ebenfalls komplett.
Die Tiere besitzen deutlich sichtbare Außenkiemen, deren Größe sich abhängig von den
Gewässerbedingungen ändern kann.
Trotz ihrer Kiemen kommen die Molche auch regelmäßig zum Luftholen an die Wasseroberfläche.

Foto: Eike Liebelt

 

Herkunft:Südosten der USA, Florida und angrenzende Staaten
Größe:Bis etwa 25 cm
Lebensraum:Ähnlich der Gattung Siren in vegetationsreichen, stehenden Gewässern und Sümpfen.
Lebt dort am und im Boden sowie in dichten Pflanzenbeständen wie Wasserhyazinthen
Haltung:Lebt aquatisch, ein Landteil ist nicht nötig. Wasserstand ca. 20-25 cm, das kann im Jahresverlauf aber auch variieren
Temperatur:Die Art kommt mit den üblichen Wohnraumtemperaturen von 18-25° gut zurecht
Besonderheit:Da ihr Lebensraum in der subtropischen und tropischen Klimazone der USA liegt, sind die Zwergarmmolche für Schwanzlurche ungewöhnlich wärmetolerant

Haltung

Im Gegensatz zu S. intermedia verhalten sich die Zwergarmmolche auch während der Fortpflanzungszeit untereinander völlig friedlich und bilden keine Reviere.
Sie scheinen sich in Gesellschaft sogar wohler zu fühlen und suchen beispielsweise in ihren Verstecken die Nähe zu Artgenossen. So lässt sich eine kleine Gruppe dieser Tiere bereits in einem Becken von 80 cm Länge (112 l) halten. Eine größere Grundfläche wüssten sie aber sicher auch zu schätzen. Da ein relativ niedriger Wasserstand ausreichend ist, spielt die Höhe des Beckens nur eine untergeordnete Rolle. Eine zumindest am Rand absolut dichte Abdeckung ist zwingend erforderlich. Wenn sich die Molche erschrecken, könnten sie ansonsten besonders an den Ecken des Aquarium herausschießen. Das Becken sollte vom Boden bis zur Oberfläche dicht bepflanzt sein. Dann zeigen die Molche auch weniger Scheu und halten sich zeitweise gerne in der Vegetation auf.


Der Bodengrund sollte aus Sand bestehen, da sich die Tiere häufig eingraben und dann oft nur mit
dem Kopf herausschauen. Eine Körnung von 0,4 -0,8 mm hat sich hier bewährt. Abgesunkenes braunes Laub und/oder Javamoos auf dem Bodengrund gibt den Tieren zusätzliche Sicherheit. Als zusätzliche Versteckplätze eignen sich Wurzelhölzer. Steinaufbauten sollten aufgrund der Verletzungsgefahr vermieden werden, da die Tiere unablässig wühlen. Eine Filterung des Beckens ist erforderlich, wobei auf einen möglichst strömungsarmen Betrieb geachtet werden sollte. Regelmäßige Teilwasserwechsel sind aber trotzdem notwendig. Eine Heizung ist nicht nötig, da die Art mit den üblichen Wohnraumtemperaturen inklusive sommerlicher Temperaturspitzen gut zurecht kommt.

Galerie

Ernährung

Die Zwergarmmolche sind bei der Fütterung nicht wählerisch. Allerdings sind sie bei der Futtersuche recht phlegmatisch, so dass sie Lebendfutter mit ausgeprägtem Fluchtreflex wie beispielsweise Garnelen oder Flohkrebse überfordern würde. Außerdem nehmen sie ihre Nahrung vorwiegend vom Bodengrund auf, was bei der Auswahl ebenfalls bedacht werden sollte.
Wurmfutter wie Tubifex, Glanzwürmer und kleinere Regenwürmer bilden eine solide Grundlage und werden auch noch später erjagt, wenn diese sich bereits im Bodengrund vergraben haben. Rote Mückenlarven (lebend und TK) sowie Artemien (TK) werden ebenfalls gerne genommen.
Nach meinen Erfahrungen wird Granulat für Axolotl bzw. Pipiden von den Zwergarmmolchen nicht so gut angenommen. Aber eigene Versuche mit den Produkten verschiedener Hersteller schaden sicher nicht.
Solche Futterreste müssen aber spätestens am nächsten Tag abgesaugt werden, um die
Wasserqualität nicht zu beeinträchtigen.

Zucht

Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich vorwiegend über das (mitteleuropäische) Winterhalbjahr. Da die Geschlechter adulter Pseudobranchus kaum zu unterscheiden sind, sind Vermehrungsversuche in der Gruppe ratsam.Ein spezielles Zuchtbecken ist nicht erforderlich, da die Molche im Gegensatz zur Gattung Siren keine Reviere bilden und auch keine Brutpflege betreiben.

Beim Laichvorgang streifen die Weibchen die Eier einzeln überall im Becken an geeigneten Unterlagen wie Wasserpflanzen ab. Die Wurzeln größerer Hornfarne (Ceratopteris) werden beispielsweise gern dafür genutzt. Obwohl sich die Elterntiere scheinbar nicht am Laich und auch an den später schlüpfenden Larven vergehen, empfiehlt sich eine Separierung der Eier. Um Beschädigungen der Eier zu vermeiden, sollte man sie zusammen mit dem anhaftenden Pflanzenstück entnehmen. Ich habe kleinere Gruppen der Eier dann in Plastikschälchen mit niedrigem Wasserstand aufgeteilt.

In diesen konnten die nach etwa 30 Tagen schlüpfenden Larven dann auch gleich verbleiben. Sowohl während der Entwicklung des Laichs als auch nach dem Schlupf ist ein regelmäßiger, möglichst täglicher Wasserwechsel und ein Abpinseln des Bodens sinnvoll. Die geschlüpften Larven lassen sich in der ersten Zeit gut mit Nauplien ernähren. Einige Zeit später bewältigen sie dann bereits Microfex. Zur Abwechslung können ab und zu auch Grindal gefüttert werden.

Ein auf dem Boden liegendes braunes Blatt dient den kleinen Molchen als Unterschlupf und erschwert die nötigen Hygienemaßnahmen kaum. Bei guter Fütterung wachsen die Jungtiere flott heran und können nach etwa fünf Monaten bereits eine Länge von ca. 10 cm erreicht haben.

Bild von Eike Liebelt

Eike Liebelt

Eike Liebelt, Jahrgang 1972, ist mit Unterbrechungen seit seiner Kindheit begeisterter Naturbeobachter, Aquarianer und Terrarianer. Sein derzeitiges Hauptinteresse gilt vollaquatisch lebenden Amphibien wie etwa den Zungenlosen Fröschen (Pipidae) und Armmolchen (Sirenidae). (Foto: Nadine Weller)